Kinderuhr


Als ich neulich auf der Suche nach einem Geschenk für die Tochter meiner Freundin war, kam mir der Gedanke, eine Kinderuhr zu besorgen. Gut, dachte ich, Alicia ist erst 3 und kann froh sein, sich dem Diktat der Uhrzeit noch nicht unterwerfen zu müssen, aber so eine Uhr an der Wand kann ja auch etwas Nettes sein.

Gesagt, getan. Als moderner Mensch begann ich gleich im Internet unter dem Begriff Kinderuhren zu suchen. Zuerst stolperte ich über extrem bunte Armbanduhren. Man muss sich wundern, wie viele verschiedene Farben, Bilder und Symbole auf ein 3 x 3 cm großes Ziffernblatt passen. Ziemlich genau so viele, dass die Zeiger und Zahlen auf der Kinderuhr gänzlich untergehen. Aber wahrscheinlich muss das auch nur den Kleinen gefallen weil verstehen können Kinder die Uhr oft erst mit 8 Jahren.

Aber egal, ich bin ja auch auf der Suche nach einer Kinderuhr für die Wand. Also versuche ich es mit Kinderwanduhr. Das Erste was ich finde ist eine Uhr namens Piepsi – die auch so aussieht und erfahre auch gleich, dass es dazu einen passenden Piepsi-Geldbeutel gibt. Während ich noch überlege, was ein Geldbeutel mit einer Kinderuhr zu tun hat tut sich schon eine neue Seite auf. Dabei werde ich fast erschlagen von den Uhr gewordenen Sehstörungen, deren Design zwischen Das-gefällt-Mama-und-Papa und Das-gefällt-den-Kindern schwankt. Wobei bei den Kinder-Kinderuhren im Design sehr stark auf die geschlechtsspezifischen Vorlieben eingegangen wird. Bei einer Bezeichnung wie: Kinderuhr, Motiv Schmetterling mit Zauberfee und Blume, Rosa, muss ich die Uhr dazu gar nicht gesehen haben. Dann sehe ich doch noch was: Eine Sponge-Bob Uhr. Super denke ich kurz. Dann fällt mir ein, dass ich die Uhr ja nicht für mich, sondern für eine 3 Jährige kaufe.

Genug gesehen. Ich beschließe meine Freundin anzurufen, um mich nach dem Geschmack Ihrer Kleinen zu erkundigen. Da wird mir gesagt: Bitte keine bunte Kinderuhr aus Fernost. Und ich erfahre von der findigen Mutter, dass Ihre Tochter bereits die alte Küchenuhr im Zimmer hat an der Minuten- und Sekundenzeiger abmontiert wurden. Als ich blöd nachfragte, sagte sie mir: So versteht sie die Uhr wenigstens.


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Aktualisiert (Freitag, den 12. August 2011 um 14:11 Uhr)

 

Innere Kinderuhr 1


Es ist ein ganz normaler Wochentag –  nein, stimmt nicht ganz, es ist Montag, der hässliche Tag nach dem schönen Wochenende. Felix (5) liegt um halb 8 noch im Bett und schläft. Eigentlich seltsam – war er doch am Samstag und am Sonntag schon gegen 6 Uhr wach. Dann kam er auch gleich bestens gelaunt ins elterliche Schlafzimmer.

Ungefähr so: erst leise anschleichen und dann mit einem "Wuaaaaaah!" aufs Bett "ich bin ein Tiger und ihr seid meine Zoowärter und müsst mich füttern, oder nein, ich bin aus dem Käfig ausgebrochen und ihr müsst mich wieder einfangen oder nein, wir sind eine Tigerfamilie. Du der Papa-Tiger du die Mama-Tiger und ich das Junge. Das ich meinte, es sei doch erst viertel vor 6 und raubkatzen lägen sowieso immer im Schatten und schlafen, schien ihn nicht zu interessieren. Er sagte nur, er habe eh ganz lang geschlafen, denn es sei ja schließlich schon hell.


Aber zurück zum Montag. Vorsichtig schleiche ich mich ins Zimmer und ziehe die Rolläden leise hoch – nichts. Er liegt friedlich, quer in seinem Bett, sein Kuschelferkel im Arm. Für einen kurzen Augenblick überlege ich ob ich auch mit einem Wuaaaaah in sein Bett springen soll, verwerfe den Gedanken aber schnell wieder. Stattdessen streiche ich ihm sanft über die Haare und sage: Felix aufstehen, es ist schon halb acht. Du musst in den Kindergarten. Das erste was ich von Ihm höre ist. "Nö",  was mich nicht überrascht, weil es auch das letzte war, was ich hörte als ich ihn am Vorabend ins Bett brachte. "Pass auf, ich mache dein Müsli fertig. So lange kannst du noch liegen bleiben." – "Wie lange dauert das?"  – "5 Minuten." – "5 Minuten sind gar nicht lange." Aha, das weiß er also. Ich möchte ihm gerade erklären, dass 5 Minuten in gewissen Situationen durchaus lange sein können, da springt er auch schon aus dem Bett: " Hast du mein Müsli schon fertig?" – "Wann hätte ich das denn jetzt machen sollen? " – "Ja vorher." - Ich gebe es auf. 5 Minuten später, es ist bereits 20 vor 8, habe ich sein Müsli auf dem Tisch. Wer nicht da ist, ist Felix.

 

"Felix, wo bleibst du, Müsli ist fertig!" rufe ich ins Kinderzimmer – nichts. Ich rufe nochmal. "Ich muss noch spielen, nur noch schnell die Ritterarmee vernichten." schallt es zurück. Eine ganze Armee vernichten – das dauert mir jetzt wiederum zu lange. Ich komplimentiere ihn unter Protest in die Küche, wo er als erstes was am Müsli auszusetzen hat: "Keine Bananen, ich mag keine Bananen." – "Was ist denn jetzt los? Gestern hast du die Bananen noch gegessen." – "Ja, aber der Jonas aus meiner Gruppe mag auch keine Bananen" Da ich dieser Logik nicht ganz folgen kann und keine Lust auf eine weitere Diskussion habe, gestatte ich ihm, die Bananen übrig zu lassen. Die Uhr zeigt 10 vor 8.

Fortsetzung folgt


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Aktualisiert (Mittwoch, den 03. August 2011 um 14:02 Uhr)

 

 


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